Christian Hackbarth-Johnson

Spiritualität im Dialog e.V.

Vereinsauflösung, spiritueller Gesprächskreis und letzte Veranstaltung

Dachauer SpiritualitätsDialoge Archiv

Der Verein Spiritualität im Dialog e.V. wurde gemäß Beschluss der Mitgliederversammlung vom 13.2.2025 nach 7-jährigem Bestehen und 6 Dachauer SpiritualitätsDialogen (siehe dazu die FB-Seite des Vereins und die Dokumentation) zum Jahresende 2025 aufgelöst. Der monatlich stattfindende spirituelle Gesprächskreis (ehemals Jour fixe) wird als privates Treffen weitergeführt. Er findet entweder an einem Mittwoch- oder einem Donnerstagabend von 19:30 Uhr bis 21:30 Uhr in Dachau statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Wer in den E-Mail-Verteiler aufgenommen werden möchte, möge mir eine entsprechende Nachricht zukommen lassen.

Christian in schwarz-weiß hält ein Buch in einer Hand und gestikuliert mit der anderen
Copyright: Wolfgang Feik, Dachau

Als letzte Veranstaltung des Vereins gab es am 13.11.2025 eine Lesung aus meinem Buch „Bettina Sharada Bäumer –Leben zwischen Indien und Europa. Biographische Studie zur interreligiösen Existenz der österreichischen Religionswissenschaftlerin. Band 1: „Man muss flexibel sein!“ Kindheit und Jugend (1940-1964). Tyrolia Verlag, Innsbruck-Wien 2024. Sie fand im Rahmen des Salons des Ateliers Krottenthaler & Schuff in der Kleinen Moosschwaige in Dachau statt.

In dem Buch beschreibe die Grundlage zur außergewöhnlichen Karriere Bettina Bäumers (*1940) als interreligiöse und interkulturelle Vermittlerin zwischen Indien und Europa. Die Lesung strich besonders die Dachauer Bezüge in Bäumers Leben heraus. Bäumer stammt aus einer Salzburger Künstlerfamilie, die wegen der jüdischen Herkunft der Mutter Verfolgung litt. Ihr Onkel mütterlicherseits, der Geschäftsmann Robert Feix, war im Konzentrationslager Dachau inhaftiert und überlebte durch die Zusammenarbeit mit dem SS-Ahnenerbe, deren medizinische Abteilung an seinem Patent für ein Blutgerinnungsmittel aus Pektin interessiert war. Die Familie Bäumer überlebte durch die Hilfe des katholischen Priesters Sebastian Linsinger, der sie ab Mitte 1944 bis Kriegsende in seinem Pfarrhaus versteckte. Er wurde 2011 von Yad Vashem zum „Gerechten unter den Völkern“ ernannt.

MyoE Doris Harder blickt auf das Buch in ihrer Hand und liest laut vor.
Copyright: Wolfgang Feik, Dachau

Bettina Bäumer begegnete 1961, mit 21 Jahren, im Salzburger Elternhaus, dem katholischen Priester Raimon Panikkar, halb Inder, halb Spanier, der nach vier Jahren in Indien zu einer führenden Gestalt im hinduistisch-christlichen Dialog geworden worden war. Panikkar hatte etwa beim Eucharistischen Weltkongress in München 1960 über das indische Kultmysterium referiert. Der Kongress war die erste internationale Großveranstaltung in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers, vier Jahre vor Eröffnung der KZ-Gedenkstätte, das katholische Mahnmal eingeweiht. Begeistert von Panikkars spiritueller Ausstrahlung ging Bäumer, die zuvor evangelische Theologie in Wien und Zürich studiert hatte, im Herbst 1962 nach Rom, wo gerade das 2. Vatikanische Konzil begann, um bei ihm zu studieren, und konvertierte im Januar 1963 zur katholischen Kirche. Im Herbst 1963 reiste sie erstmals nach Indien, um Henri Le Saux o.s.b/Swami Abhishiktananda zu besuchen, den anderen wichtigen Vermittler zwischen Hinduismus und Christentum. Im Jahr darauf begann sie ihr Promotionsstudium bei Karl Rahner in München. 1967 ging sie wieder nach Indien, wo sie – mit einer Unterbrechung zwischen 1974 und 1978 - bis heute lebt. 1986 begegnete sie ihrem Guru, Swami Lakshmanjoo, einem Lehrer des non-dualen Shivaismus aus Kashmir, welcher Tradition sie sich zuwandte und die sie bis heute lehrt. Der Untertitel des Buches ist ein Ausspruch Panikkars, den man auch als Mutter für ihr gesamtes Leben ansehen kann. Panikkar saß damals im Hause Bäumer mit gekreuzten Beinen auf der Couch. Das war 1961 in keiner Weise üblich. Den erstaunten Blicken begegnete er mit den Worten: „Man muss flexibel sein.“

Bei der Lesung wurde ich unterstützt durch MyoE Doris Harder, Soto-Zen-Priesterin in der Tradition von Shunryu Suzuki und Theaterregisseurin aus Wien, die sich spontan dazu bereit erklärt hatte. Sie las die O-Töne, während ich die Zwischentexte übernahm und erzählte. Diese Zusammenarbeit hat sich bewährt und soll fortgesetzt werden.

Dario Dorner spielt Gitarre und blickt konzentriert auf seine Hand am Hals der Gitarre.
Copyright: Wolfgang Feik, Dachau

Der Dachauer Gitarrist Dario Dorner setzte musikalische Akzente, zu Beginn mit Sätzen aus der Sonate 21 in d-moll für Laute (WSW 27) von Silvius Leopold Weiss (1686-1715; Bettina Bäumer hatte in ihrer Jugend Cello und Gambe gespielt mit Schwerpunkt auf alter Musik), nach der Pause führte er den zweiten Teil der Lesung über das Überleben im Nationalsozialismus mit dem kongenialen Stück von Hans Werner Henze (1926-2012), Royal Winter Music II, den 3. Satz „Mad Lady Macbeth“ , ein. Den Abschluss bildete ein humorvolles Stück, das Capriccio Op. 13, No. 3 des Wiener Gitarristen Johann Kaspar Mertz (1806-1856).

Literaturempfehlungen:

Martin Rötting, Christian Hackbarth-Johnson (Hg.), Spiritualität der Zukunft. Suchbewegungen in einer multireligiösen Welt. EOS Verlag, St. Ottilien 2018

Harald Walach, Spiritualität. Warum wir die Aufklärung weiterführen müssen. Drachenverlag, Klein Jasedow 2001.